Impuls der Woche: was ist Lernen?

Das Wort „Lernen“ ist heutzutage oftmals besonders mit der Schule und Anstrengung verbunden, jedenfalls in den Köpfen vieler Menschen. Häufig zu Unrecht. Dabei ist das Lernen eine überlebensnotwendige Sache für Lebewesen, denn sie ermöglichen es uns, uns an veränderte Gegebenheiten anzupassen, uns weiterzuentwickeln, Gefahren einschätzen und meiden oder selbst Veränderungen herbeiführen zu können basierend auf den gesammelten und verinnerlichten Daten. Wenn die Umwelt sich wandelt, müssen wir uns anpassen – das geschieht aufgrund der Lernfähigkeit, die uns eine Adaption und dementsprechende Reaktion überhaupt erst ermöglicht.

Lernen heißt Fühlen!

Übrigens kommt die Begrifflichkeit aus der Wortgruppe „leisten“, was ursprünglich etwa „einer Spur nachgehen“ oder „nachspüren“ heißt. Ein Lehrer hinterlässt somit eine Spur im Bewusstsein seines Schülers, dieser spürt sie nach – Spüren ist in diesem Zusammenhang synonym mit Fühlen! Eine Erfahrung, sei es physisch oder psychisch, hinterlässt einen Eindruck – eine Spur – an oder auf uns und wir spüren – also fühlen – diese nach. Wenn uns also ein Dozent einen Sachverhalt erklärt, bleibt dieser in unseren Köpfen hängen wie eine Furche im frischgefallenen Schnee und wir können den vorgezeichneten Weg mit unseren Gedanken nachvollziehen, ihn nachgehen. Dort, wo der Pfad unklar ist oder abbricht, verbergen sich Fragen, die wir stellen sollten. Wir können auch körperliche Erfahrungen machen, indem wir zum Beispiel auf die heiße Herdplatte fassen und uns verbrennen, woraus wir lernen, dass wir das schmerzbedingt lassen sollten. Wir erkennen die Straße „Auf-Herdplatte-Fassen“, gehen sie gedanklich nach und finden uns in der Sackgasse „Verbrennen“ wieder, sodass wir umkehren. Also haben wir gelernt.

Die Arten des Lernens

Einmal das absichtliche oder auch intentionale Lernen, etwa, wenn wir uns ein Gedicht oder das 3-Phasen-Modell schnappen und uns auswendig einprägen, sowie das unbewusste oder auch implizite Lernen, wie der schmerzhafte Griff auf den heißen Herd. Wir erwerben im körperlichen, geistigen, sozialen oder charakterlichen Bereich neue Fähigkeiten, wie das Verinnerlichen einer Bewegung, das Begreifen eines Grundprinzips, das empathische Verstehen der Lage einer anderen Person oder der Gewinn von mehr Durchsetzungsvermögen und Selbstvertrauen. Man kann außerdem von einem Prozess der relativ stabilen Veränderung des Verhaltens, Denkens oder Fühlens aufgrund empirischer Eindrücke oder neu gewonnener Erkenntnisse sprechen. Je mehr ihr also beispielsweise in einer Weiterbildung zum Fitnesstrainer über Anatomie und Physiologie lernt, desto mehr fließt es in eure tägliche Arbeit ein und formt ein weitläufiges Verständnis sowie eure Fertigkeit als Fitness Coach. Wer weiß, wie der Körper funktioniert, stellt Verknüpfungen her und handelt entsprechend des neuen Wissens. Wer gelernt hat, wie Kniebeugen richtig gehen, demonstriert es seinem Schützling nicht falsch oder gesundheitsschädlich. Jedes Wissenspaket, das hinzukommt, fügt sich in das System Gesundheit, nimmt Verbindung mit bereits Memorisiertem auf und erweitert den Kompetenzschatz.

Durch das ständige Lernen verdichtet sich unser Wissensnetzwerk und bringt mehr und mehr Licht ins Dunkel. Wenn ihr also vor eurem Lehrskript sitzt, die Wissensbotschaft, verpackt in didaktisch und methodisch sinnvoll gewählte Worte lest, dann schafft ihr neue Spuren, denen ihr nachgehen könnt. Manchmal tut ihr das ganz bewusst, indem ihr das Gelernte direkt praktisch in eurem Berufsalltag anwendet oder unbewusst, wenn ihr durch die Informationen, die sich in eurem Repertoire befinden Zusammenhänge versteht, euer Verhalten dementsprechend anpasst und Verknüpfungen herstellt. Lernen ist der Schlüssel zu persönlichem und beruflichem Erfolg!

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