Welche Bedeutung hat das Vitamin B12 für unseren Körper?

Auch wenn wir nur sehr geringe Mengen an Vitamin B12 benötigen, ist es dennoch ein sehr wichtiges Vitamin, welches einen bedeutenden Einfluss auf verschiedenste Körperfunktionen und somit auf unsere Gesundheit hat. Doch was ist Vitamin B12 und was genau bewirkt es im menschlichen Körper?

Vitamin B12 gehört zu den wasserlöslichen Vitaminen und wird in der Fachsprache als Cobalamin bezeichnet. Dabei handelt es sich um verschiedene cobalthaltige Verbindungen, die nur von bestimmten Mikroorganismen hergestellt werden können und welche im Körper eine Wirkung von Vitamin B12 aufweisen. Der menschliche Körper ist zwar in der Lage Vitamin B12 selbst im Dickdarm herzustellen, da es von hier aus jedoch nicht ins Blut aufgenommen werden kann, ist eine Zufuhr über die Nahrung unverzichtbar. Es ist das einzige Vitamin, das in nennenswerten Mengen ausschließlich in tierischen Produkten vorkommt. Zudem kann es als einziges wasserlösliches Vitamin langfristig in Leber und Muskulatur gespeichert werden. Darum ist bei gesunden Personen, die sich ausgewogen ernähren, kaum mit Mangelerscheinungen zu rechnen.

Cobalamin schützt unser Nervensystem sowie Gehirn, da es die sogenannte Myelinscheide, die unsere Nervenzellen umgibt, regeneriert. Eine ausreichende Versorgung begünstigt daher z. B. eine gute Konzentrationsfähigkeit und wirkt besonders im Alter präventiv gegen Schäden des Gehirns und Nervensystems. Dadurch können sich Demenz und Alzheimer bedeutend seltener oder weniger schnell entwickeln. Auch den Krankheiten Parkinson und Multiple Sklerose soll dadurch vorgebeugt werden können bzw. deren Fortschreiten verlangsamt werden können. Und bei Patienten mit einer Polyneuropathie oder Amyotrophen Lateralsklerose (ALS) wird hochdosiertes Vitamin B12 sogar in der Therapie als Nervenschutz eingesetzt. Der Körper benötigt Cobalamin ebenfalls um die Folsäure aus seiner Speicher- und Transportform in die biologisch wirksame Form zu überführen und es hat einen direkten Einfluss auf den Eiweiß- und Kohlenhydratstoffwechsel. Des Weiteren wird es zur Bildung der roten Blutkörperchen oder anderer Körperzellen gebraucht und ist wesentlicher Bestandteil der Nucleinsäure (DNS) des Zellkerns. Daher wird Cobalamin insbesondere dort benötigt, wo sich Zellen sehr schnell teilen (z.B. in der Darmschleimhaut).

Wenn eine Person einen Mangel an Vitamin B12 aufweist, kann dies einen negativen Einfluss z.B. auf seine geistige Leistungsfähigkeit haben und sein Gehirn schrumpfen lassen. So nimmt laut einer Studie der Fachzeitschrift Neurology das Gehirnvolumen im Alter umso stärker ab, je niedriger die Versorgung mit Vitamin B12 ist und kognitive Tests fallen dementsprechend umso schlechter aus.
Nach einer Untersuchung der Tufts University in Boston geht bereits ein milder Mangel an Cobalamin mit einem erhöhten Demenzrisiko einher. Ein starker Mangel kann sogar recht schnell zu neuropsychiatrischen Symptomen wie Halluzination, Angst oder Wahnvorstellungen führen und auch das Alzheimerrisiko steigt mit der Abnahme des Vitamin B12-Spiegels im Körper an.
Außerdem ist die Zellbildung im Knochenmark bei einem Mangel an Cobalamin gestört, wodurch es zu Blutarmut oder der Degeneration bestimmter Rückenmarksbezirke kommen kann. Auch Depressionen können Symptome von zu wenig Vitamin B12 sein.

Eine Unterversorgung droht z. B. Personen, die sich streng vegetarisch oder vegan ernähren, da die Aufnahme von Cobalamin bei rein pflanzlicher Ernährung sehr niedrig ist. Aber auch Menschen mit Magen-Darm-Beschwerden sind von einem Mangel betroffen, da das Vitamin B12 in solchen Fällen nicht mehr gut aus der Nahrung resorbiert werden kann. Des Weiteren kann es auch aufgrund von Arzneimittelnebenwirkungen durch Säureblocker (bei Sodbrennen), Gichtmedikamente und Gerinnungshemmer (Blutverdünner) zu einem Mangel kommen.
Daher wird betroffenen Menschen die Supplementation durch ein Vitamin B12-Präparat empfohlen. Beschwerden aufgrund einer Überdosierung von Cobalamin sind nicht bekannt.