Böser Zucker?

Zucker verursacht unschicke Fettdepots, bis hin zu Übergewicht oder gar zur Fettleber, ist verantwortlich für Diabetes Typ 2 und Typ 3, bringt das Gleichgewicht zwischen gesunden und ungesunden Bakterien im Darm durcheinander und ist tatsächlich auch ein Beschleuniger im Anti-Aging-Prozess. Denn neben Hautproblemen kann ein Zuviel an Zucker vorzeitige Alterung hervorrufen. Unannehmlichkeiten wie Energiecrash im Alltag bis hin zur Depression muss sich Zucker ebenfalls auf seine alles andere als „weiße Weste“ schreiben lassen.

Der Mensch braucht Zucker? Das menschliche Gehirn verbraucht allein 20% der Glukose und der Körper wäre ohne Glukose nicht funktionsfähig. Das soll jedoch kein Freibrief für tägliches Naschen sein. Denn Glukose muss nicht in direkter Form aufgenommen werden. Der Körper wandelt alle Kohlenhydrate automatisch in Glukose um. Der Vorteil der direkten Aufnahme mag vielleicht in einer schnelleren Verfügbarkeit liegen, doch genauso schnell wie der Blutzuckerspiegel ansteigt, fällt er auch wieder ab. Was unnötig zu erneuter Lust auf Süßes führt.

Wird Glukose jedoch in Form von Stärke, z. B. Getreide oder Kartoffeln, aufgenommen, steigt der Blutzuckerspiegel wesentlich langsamer an. Ebenso langsam fällt die Kurve des Blutzuckerspiegels wieder ab. Der Organismus bleibt also länger versorgt.

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt eine maximale tägliche Energieaufnahme in Form von Zucker von 10 Prozent. Durchschnittlich bedeutet dies einen maximalen Zuckerverzehr von 50g pro Tag.

Wer sich nun auf Industrieprodukte mit Angaben wie „ohne Zusatz von Zucker“ oder „Zuckerreduziert“ verlässt, ist leider verlassen. Liest man die Inhaltsstoffliste aufmerksam durch, finden sich Zutaten wie z. B. Ahornsirup, Reissirup, Maissirup, Isoglukose, Agavendicksaft.

Kein Zucker drin, also alles gut? Leider nein. Da der Glykämische Index (GI) dieser süßen Zutaten ebenfalls sehr hoch ist, wird die gleiche negative Auswirkung auf die Blutzuckerspiegelkurve wie durch Trauben- oder Haushaltszucker hervorgerufen.
Die Energieaufnahme durch diese vermeintlich „harmlosen“ Zuckeralternativen sollte in der Berechnung für die tägliche Zuckeraufnahme berücksichtigt werden.

Gute Nachricht für Ausdauersportler: hier gelten besondere Regeln. Kurz vor dem Wettkampf und mehrere Stunden nach dem Wettkampf werden zwar Kohlenhydrate mit niedrigem GI empfohlen, während des Wettkampfes sind jedoch „flinke“ Kohlenhydrate, also mit höherem bzw. hohem GI, angeraten.

Letztendlich machen Dosis und Qualität das Gift. Nachdem die Lebensmittelindustrie Zucker inzwischen in fast jedem Produkt einsetzt (Senf, Salami, Schinken, Fruchtjoghurt, Fruchtsäfte, Müsli), ist die empfohlene Tagesration von ca. 50g schnell um das Doppelte überboten. Und dann wird und wirkt der Zucker wirklich „böse“!