Stoffwechseldiät

Kaum ein anderes Thema geistert zur Zeit so viel durch die Medien, insbesondere die sozialen Netzwerke, wie das Thema "Stoffwechseldiät" häufig auch gleichgesetzt mit der "21 Tage Stoffwechselkur".

Der Grundgedanke dahinter klingt extrem verlockend und einladend, schließlich versprechen diverse Anbieter einen massiven gesunden Gewichtsverlust von bis 10kg in nur 14 Tagen und das ganz ohne JoJo-Effekt.

Soweit zur Theorie, aber ist die Stoffwechseldiät in der Praxis wirklich so einfach und gleichzeitig erfolgreich?

Wenn wir zunächst das Wort Diät beleuchten, stellen wir fest, dass Diät immer heißt, dass ich kurzfristig die Energiezufuhr herunterfahre. Die Theorie ist einleuchtend, schließlich nehme ich auf der Waage immer Gewicht ab, wenn ich weniger Energie, sprich Kalorien zu mir nehme. Soweit so gut, aber was genau nehme ich denn überhaupt ab, wenn ich meine Kalorien reduziere und was genau passiert dann in meinem Körper?

Zu allererst geht unser Stoffwechsel davon aus, dass gerade eine akute Nahrungsmittelknappheit wie beispielsweise eine Dürre vorliegt und der Mensch für einen unbestimmten Zeitraum mit weniger Nahrung auskommen muss als bisher. Als Reaktion auf diese Nahrungsmittelknappheit muss der Stoffwechsel lernen, mit weniger Energie auszukommen. Das heißt, unser Grundumsatz, also die Energie, die wir benötigen, um unsere grundlegenden Organe wie Gehirn, Herz, Leber, Nieren und Muskulatur zu betreiben, wird reduziert. Dieser Vorgang funktioniert zu allererst dadurch, dass der Körper den Zellen Wasser entzieht, damit diese langsamer arbeiten und nicht mehr so viel Energie verbrauchen. Dieses Wasser wird ausgeschieden und wir haben die erste Reduktion des Körpergewichtes erreicht, jedoch auf Kosten eines etwas langsamer arbeitenden Stoffwechsels.

Dauert die Diät bzw. die Nahrungsmittelknappheit weiter an und wir ernähren uns kalorienreduziert, sieht der Körper sich gezwungen, mehr Energie einzusparen und er baut das Material ab, dass Energie verbraucht und für das tägliche Überleben nicht unmittelbar notwendig ist, nämlich Muskulatur. Studien haben ergeben, dass der Körper ausnahmslos immer Muskulatur abbaut, sobald die tägliche Kalorienzufuhr unter 800kcal liegt, weil er gar keine Chance hat, den täglichen Energiebedarf für das Gehirn und die Nervenzellen anderweitig zu beziehen. Durch Abbau der Muskulatur erreichen wir also einen weiteren Gewichtsverlust, jedoch aber auch eine weitere Reduktion des Grundumsatzes.

Was gleichzeitig immer bei Reduktion der Kalorien passiert: Die Fettreserven, insbesondere das Bauchfett, wird immer mehr geschont, weil das schließlich die eiserne Reserve ist, die der Körper unbedingt behalten möchte. Je öfter oder je länger wir eine Diät mit Kalorienreduktion durchführen, desto mehr bringen wir unserem Körper bei, dass er bitte auf gar keinen Fall die Fettreserven frei gibt, um daraus Energie zu beziehen. Somit führen solche Diäten also langfristig dazu, dass wir unserem Körper beibringen, Fett immer besser einzuspeichern.    Mit jeder weiteren Diät wird immer wieder Wasser und Muskelmasse abgebaut und wir erhöhen langfristig den prozentualen Körperfettanteil immer weiter. Wenn wir uns nach der Diät wieder kalorienreicher (wie vor der Diät) ernähren, kommt der berühmte Jo-Jo-Effekt ins Spiel: Wir nehmen deutlich mehr Kalorien zu uns und der Körper lagert sofort alles, was er kriegen kann in den Reserven ein, falls wieder die nächste „Nahrungsmittelnappheit“ (Diät) kommt.

Spannender Weise reagiert unser Körper auf Verschleiß von Körpermaterial immer mit einem Mehraufbau, sobald er wieder die Chance dazu hat. Diesen Effekt macht man sich im Muskeltraining zu Nutze: indem man durch Training die Muskulatur verschleißt, bringen wir den Körper dazu, in den Erholungsphasen mehr Muskulatur aufzubauen. Zwingen wir den Körper mit Diäten dazu, mit weniger Energie auszukommen, wird er nach der Diät mehr Energie einspeichern, um zu verhindern, dass dieser Mangel erneut auftritt. Somit machen Diäten langfristig dick und nicht schlank.

Zusammenfassung

Die Stoffwechseldiät ist somit nicht sonderlich gesund aus meiner Sicht. Generell macht es wesentlich mehr Sinn, die Ernährung langfristig auf gesund umzustellen, als kurzfristige Crash-Diäten durchzuführen, weil dem Körper oftmals wichtige Nährstoffe fehlen.

Autor des Magazinbeitrages

Martin Sunderbring - Dipl. Sportwissenschaftler - Personal Trainer - FPZ-RückenschmerztherapeutMartin Sunderbrink

  • Dipl. Sportwissenschaftler
  • Personal Trainer
  • FPZ-Rückenschmerztherapeut
  • Dozent und Tutor der Academy of Sports

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