Sitzen, das neue Rauchen!

Provokativ kommt der Ausspruch „Sitzen ist das neue Rauchen!“ daher. Das ist aber wohl auch so gewollt. Mit dem Satz soll ein Bewusstsein geschaffen werden, dass Sitzen eine ähnlich verheerende Wirkung auf den menschlichen Körper und auf die individuelle Lebenserwartung haben kann, wie Tabak inhalieren. Studien besagen, dass Menschen die länger als 6 Stunden täglich sitzen, eine um 20 % reduzierte Lebenserwartung haben.

„Sitzen ist das neue Rauchen!“. Warum laut Studien Menschen die länger als 6 Stunden täglich sitzen, eine um 20 % reduzierte Lebenserwartung haben, erfährst Du in diesem Magazinbeitrag.

Die Smartwatch meckert schon wieder: „Sie haben sich bereits eine Stunde lang nicht bewegt, wollen sie eine Bewegungsübung machen?“.

Viele von uns, die nicht körperlich arbeiten, verbringen weite Teile des Tages im Sitzen. Eine Umfrage identifizierte zwei Drittel der Deutschen, die sich weniger als 1 Stunde am Tag bewegen. Darum warnen Mediziner: „Wir sitzen uns krank!“, Denn die Sitzposition auf Stuhl, Sessel, Sofa sei wider die menschliche Natur. Folgen können Rückenbeschwerden, Diabetes, Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Leiden sein. Experten empfehlen, alle 20 Minuten aufzustehen und sich kurz zu bewegen, wenn man eine sitzende Tätigkeit ausübt.

Adomat et al. gehen sogar noch weiter und formulieren die Überschrift ihres Artikels in einer Fachzeitschrift sehr provokant: „Sitzen macht dick, dumm und krank“. Die Autoren plädieren für ein Umdenken in der Ergonomieberatung; der Mensch solle in seiner Ganzheit betrachtet werden. Der vorherrschende Blickwinkel konzentriere sich zu sehr auf die biologische Hülle und lasse zum Beispiel psychosoziale Aspekte außen vor. Ein auf die Bedürfnisse des Individuums anpassbarer Schreibtisch verringere nicht allein die Belastung für den Rücken, sondern vermittle dem Mitarbeiter zusätzlich Wertschätzung und Respekt. Auch die Qualität von Kommunikation lasse sich durch die Gestaltung von Arbeitsplätzen beeinflussen.

Joachim Müller-Jung (FAZ) bezweifelt diese Einschätzung dagegen sehr: „Zu viel Sitzen ist noch kein Todesurteil“, denn Sitzen ist nicht gleich Sitzen. In den Untersuchungen, die den „Anhängern“ des Slogans „Sitzen ist das neue Rauchen“ als Grundlage für ihre Aussage dienen, wurden nämlich Menschen beobachtet, die unter Einsatz von Knabberzeug und Alkohol im Sessel oder auf dem Sofa lümmelten und eben nicht der durchschnittliche Büroangestellte, der immer wieder das Sitzen unterbricht, um zum Kopierer zu gehen oder persönlich mit einem Kollegen in einem anderen Büro zu sprechen. Der Autor vertritt die Meinung, dass die Anschaffung von Stehpulten und ähnlichen Produkten überflüssig sei.

Zusammenfassung

Sitzen ist keine natürliche Position und sollte auch im Arbeitsleben soweit möglich vermieden werden. Hierzu bedarf es kreativer Lösungen, vor allem aber eines Umdenkens aller Beteiligten. Ergonomieberatungen sollten diese Entwicklungen berücksichtigen und über die „korrekte“ Einstellung von Stühlen und Schreibtischen hinausgehen.

Arbeitgebern sollte klar sein, dass die gesundheitsförderliche Gestaltung von Arbeitsplätzen über die rein körperliche Ebene hinaus geht und einen wesentlichen Beitrag zur psychosozialen Gesundheit leistet.

Autor des Magazinbeitrages

Nikolas Niehardt - Dozent und Tutor der Academy of Sports

Nikolas Niehardt

  • M.A. Gesundheitsökonomie
  • Ausbilder nach AEVO
  • Lehramt Sport
  • Dozent und Tutor der Academy of Sports

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Quellenangaben (Stand: 09.2019)

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