Medikamentenprobleme am Arbeitsplatz - ein vernachlässigtes Thema.

Medikamentenmissbrauch und Medikamentenabhängigkeit sind in der Bevölkerung verbreitet, in der betrieblichen Suchtprävention jedoch vernachlässigt. In erster Linie dürfte das damit zu tun haben, dass Probleme im Umgang mit Medikamenten schwieriger festzustellen und handzuhaben sind als Alkoholprobleme. Dementsprechend gibt es nur wenige passende Konzepte und Materialien und kaum konkrete Daten zum Ausmaß von Medikamentenproblemen am Arbeitsplatz.  

Medikamentenprobleme am Arbeitsplatz. Mehr Informationen zu diesem wichtigen Thema erhaltet Ihr in diesem Magazinbeitrag.

Medikamente sind in unserem Alltag allgegenwärtig und in vielen Fällen ist ihr Gebrauch für die jeweiligen Patienten unverzichtbar zur Vorbeugung, Linderung und Heilung von Beschwerden und Erkrankungen. Ca. 5-6 % aller verordneten Medikamente haben ein eigenes Missbrauchs- und Abhängigkeitspotenzial. Der problematische Gebrauch und die Abhängigkeit von psychoaktiven Medikamenten sind in Deutschland ähnlich verbreitet wie schädliche Konsum und Abhängigkeit von Alkohol; die Häufigkeit von Medikamentenabhängigkeit im Jahr 2018 wurde auf insgesamt 2,9 % der erwachsenen Bevölkerung zwischen 18 und 59 eingeschätzt. Diese Zahlen stiegen in den Folgejahren an und des Weiteren ist zu beobachten, dass Frauen aller Altersgruppen sowie ältere Frauen und Männer deutlich häufiger betroffen sind. Annähernd bei jedem neunten der 50 bis 59-jährigen liegt ein problematischer Medikamentengebrauch vor.

Anders als bei Suchtmitteln, die zunächst zum Genuss oder Rausch erleben konsumiert werden, gehen dem Gebrauch von Benzodiazepinen in der Regel behandlungsbedürftige Beschwerden und Erkrankungen voraus, deren Symptome durch die medikamentöse Behandlung zunächst rasch behoben werden können. Die Leistungsfähigkeit wird wiederhergestellt und akute gesundheitliche Krisen werden durchgehalten. In einem sinnvollen Gesamtbehandlungskonzept machen entsprechende Medikamente absolut Sinn. Die Abgrenzung zwischen einem sachgerechten Gebrauch und einen dauerhaften, schädlichen oder abhängigen Gebrauch ist für Außenstehende in der Regel schwierig. Die betroffenen Mitarbeiter werden von Kollegen und Vorgesetzten selten auf Verhaltensauffälligkeiten angesprochen, weil niemand ungerechtfertigt verdächtigt werden soll und oftmals die Hoffnung besteht, dass es sich um vorübergehende Probleme handelt, die sich von selbst lösen.

Es besteht bei Experten weitgehende Einigkeit, dass die Arbeitsmarktlage, Arbeits- und Leistungsdruck sowie technische Entwicklungen Medikamentenmissbrauch zur Bewältigung begünstigen.
Unternehmen können verschiedene präventive Maßnahmen ergreifen, um Medikamentenproblemen am Arbeitsplatz zu begegnen. Es bieten sich Maßnahmen zur Förderung der Gesundheitskompetenz der Arbeitnehmer an, bei denen Informationen zu Wirkung und Nebenwirkungen bestimmter Medikamente vermittelt werden.
Insbesondere bei bestimmten Tätigkeiten, zum Beispiel an Maschinen, greifen Unfallverhütungsvorschriften und arbeitsmäßige, psychische und soziale Auffälligkeiten sollten durch Angebote zur Beratung und Hilfe aktiv aufgegriffen werden.

Aber auch die Unternehmenskultur wirkt sich auf die Häufigkeit von Medikamentenmissbrauch aus. Wenn es gern gesehen wird, dass sich Beschäftigte trotz Krankheit zur Arbeit schleppen und Krankmeldungen ungern gesehen sind, fördert dies die Wahrscheinlichkeit des Missbrauchs.

Zusammenfassung

Wie bei fast allen gesundheitlichen Themen am Arbeitsplatz fällt der Führung eine besondere Rolle zu. Vorgesetzte müssen über entsprechende Informationen verfügen, um Gefährdungssituationen erkennen und angemessen handeln zu können.
Aufgrund der relevanten Zahl von Betroffenen, im Jahr 2018 geschätzte 1,4 Millionen Menschen medikamentenabhängig in der Altersklasse 18-59 Jahren, muss das Thema „Problematischer Umgang mit Medikamenten am Arbeitsplatz“ sehr ernst genommen werden. Unternehmen und Führungskräfte müssen sich dieser Herausforderung aktiv stellen.

Autor des Magazinbeitrages

Nikolas Niehardt - Dozent und Tutor der Academy of Sports

Nikolas Niehardt

  • M.A. Gesundheitsökonomie
  • Ausbilder nach AEVO
  • Lehramt Sport
  • Dozent und Tutor der Academy of Sports

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Quellenangaben (Stand: 05.2019)

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