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Muskelschlingen

Mehrere Muskelgruppen, die gemeinsam für eine Bewegung oder Bewegungsabfolge benötigt werden, werden als Muskelschlingen bezeichnet. Nur die funktionelle Verbindung dieser Muskeln ermöglicht einen reibungslosen und ökonomischen Bewegungsablauf.

Ganzheitliche Zusammenhänge im Bewegungssystem

Mit Muskelschlingen werden Gruppen von Muskeln bezeichnet, das Zusammenwirken, um eine bestimmte Bewegung durchzuführen. Die Art wie diese Muskelschlingen wiederum aufeinander abgestimmt sind, wird durch den Begriff Muskelkette näher beschrieben.

Man unterscheidet entsprechend ihrer funktionellen Wirkung verschiedene Arten von Schlingen:

  • Streckschlingen bringen gebeugte Gelenke in die Streckung. Dies ist etwa der Fall, wenn eine Person aus dem gebeugten Bein heraus Springen möchte. Hierbei wirkt der große Gesäßmuskel beispielsweise mit dem vierköpfigen Schenkelstrecker, dem Zwillingswadenmuskel und dem Schollenmuskel in einer Streckschlinge zusammen.
  • In der gegenläufigen Bewegung, wenn das Bein gebeugt werden soll, werden die Kniebeugemuskulatur ebenso wie die Schienbeinmuskulatur und Lenden- beziehungsweise Darmbeinmuskulatur aktiviert. Das Zusammenspiel der genannten Muskeln erfolgt in einer Beugeschlinge.
  • Darüber hinaus werden in horizontaler Wirkrichtung arbeitende Muskelschlingen als horizontale Muskelschlingen bezeichnet. Ein Beispiel für eine drückende horizontal arbeitende Muskelstreckschlinge ist die, die beim klassischen Liegestütz zum Einsatz kommt. Hierbei wirken der dreiköpfige Armstrecker (Musculus triceps bachii) mit dem vorderen Deltamuskel (Musculus deltoideus anterior) und dem großen Brustmuskel (Musculus pectoralis major) zusammen. Ziehend – wie etwa beim Rudern – arbeiten in einer Muskelbeugeschlinge Armbeuger, die oberen Rückenmuskeln und der hintere Deltamuskel zusammen. Auch in vertikaler Richtung verlaufen ziehende wie beugende Muskelschlingen. Diese werden unter anderem beim Klimmzug oder auch beim Überkopfdrücken benötigt.

Muskelschlingen bilden zueinander, ebenso wie einzelne Muskeln, antagonistische Paare. Denn wenn eine Schlinge kontrahiert, muss eine andere dafür entspannen, um beispielsweise Beugung und Streckung zu ermöglichen. Zudem arbeiten Muskelschlingen auch an der Stabilisation des Körpers, vor allem vertikale Muskelschlingen dienen dieser in einer Ruhestellung, also ohne Bewegung. Bewegt sich eine Person hingegen, dann wirken sogenannte spirale Muskelschlingen zusammen, um vor allem mittels rotativer Bewegungen zu stabilisieren. Beispielsweise wird zur Neigung oder Drehung des Rumpfs eine große Muskelschlinge aktiviert, die aus den Rautenmuskeln, den vorderen Sägemuskeln und den äußeren schrägen Bauchmuskeln besteht.

Bei statischen Bewegungsabläufen, wie sie etwa bei einem Stütz auf dem Barren oder auch in der Planke erfolgen, arbeiten verschiedene Muskeln in statischen Muskelschlingen zusammen. Um beispielsweise den Schultergürtel im Stütz zu fixieren, arbeiten zunächst und besonders die beiden Rautenmuskeln zusammen. Unterstützt werden sie dabei vom Kappenmuskel ebenso wie vom vorderen Sägemuskel. 

Lexikon - Muskelschlingen beim Anlauf und Sprung im Stabhochsprung

 

Erfolgt eine gemeinsame Kontraktion von mehreren Beugern wie auch Streckern, so wird das in der Fachliteratur als offene Muskelkette bezeichnet. Ein Beispiel für das Wirken einer geschlossenen Muskelkette ist das Aufsetzen des Fußes. Im ersten Schritt hat die Muskulatur des Unterkörpers die Aufgabe, gemeinsam die Bewegung des Fußes wie auch des gesamten Körpers aufzufangen. Darüber hinaus muss der Körper fortwährend stabilisiert werden. Um die Beugung von Fuß- Knie- und Hüftgelenk zu verlangsamen und schließlich zu stoppen, werden die Muskeln exzentrisch verlängert. Soll das Bein wieder gestreckt werden, also die vorangegangene Bewegung umgekehrt werden, müssen die gleichen Muskeln nun gleichsam konzentrisch arbeiten. Die Aktivierung der Muskeln des gesamten Unterkörpers wird beansprucht.

Im Gegensatz dazu wird von einer geschlossenen Kette gesprochen, wenn nur eine Schlinge isoliert aktiviert wird. Beispielsweise wird jeweils nur die Beuge- oder Streckerschlinge beansprucht, wenn der Unterschenkel etwa beim Beincurl im Gerät gebeugt beziehungsweise gestreckt wird.

Bewegungsabläufe im Sport

Im Sport beziehungsweise generell bei motorischen Tätigkeiten spielen Kraft, Ausdauer und Schnelligkeit eine große Rolle. Oft vernachlässigt wird die Bedeutung der Koordination in diesem Feld der Tätigkeiten. Man unterscheidet hierbei das Optimieren des Zusammenspiels von motorischen innerhalb eines Muskels von dem Zusammenspiel verschiedener Muskelgruppen. Ersteres wird als intramuskuläre Optimierung bezeichnet, letzteres entsprechend als intermuskulär.

Als Bewegungsabläufe werden Abfolgen von Einzelbewegungen bezeichnet, wie sie etwa beim Gehen, Springen oder auch Aufstehen durchgeführt werden. Eine Bewegung selbst wird dabei als Positions- und Geschwindigkeitsveränderung des Körpers innerhalb seiner Umgebung verstanden.

Bewegungen können dabei entweder auf ein bestmögliches Ergebnis ausgerichtet sein. Dann werden sie als Resultat orientierte Bewegungen bezeichnet. Ist eine ideale Ausführung im Fokus, spricht man von verlaufsorientierter Bewegung. Oftmals wirken beide Ansätze gemeinsam, um ein maximales Ergebnis zu erzeugen.

Erfolgt eine Bewegung einmalig, wie beispielsweise ein gezielter Schuss eines Balls auf ein Tor, wird dies als azyklische Bewegung bezeichnet. Diese Form der Bewegung lässt sich in den meisten Fällen in eine Anlauf- oder auch Ausholphase und eine Hauptphase unterteilen. Oftmals wird sie zudem beendet durch eine Endphase, etwa das Ausschwingen des Beins direkt nach dem Schuss. Diese Phasen zusammen werden als Drei-Phasenmodell benannt. Mit ihrer Hilfe können Bewegungen besser analysiert und Optimierungen geplant und vorgenommen werden.

Beim Gehen, Laufen oder auch Schwimmen werden bestimmte Bewegungsabfolgen stetig wiederholt. Dadurch gehen die eben genannten drei Phasen fließend ineinander über, so dass es zu einer Verschmelzung der Anfangs- und Endphase kommt. Deshalb spricht man bei zyklischen, also wiederholenden Bewegungen, nur noch von einem Zwei-Phasenmodell, welches aus einer Haupt- und einer Zwischenphase besteht.

 

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